Bonjour tristess: Dem Niedergang der Marburger Oberstadt entgegen treten3 min Lesezeit

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Leere Schaufenster, lärmende Nächte und Straßen voller Müll: Viele Marburger sorgen sich um ihre Oberstadt. Um dem Aushängeschild neuen Glanz zu verleihen, kommt es nun auf alle Bürger an. Ein Überblick:

Sie ist der ganze Stolz der Marburger. Denn sie macht aus der kleinen Uni-Stadt etwas wirklich Besonderes: Die Oberstadt. Dabei muss die „alte Dame“ täglich vielerlei ertragen: Touristen erkunden jeden kleinsten Winkel. Lastwagen rattern über das Kopfsteinpflaster, beliefern Geschäfte und Restaurants. Und allabendlich erwacht die Party-Szene zum Leben. Offensicht- liche Begleiterscheinungen sind Lärm und Müll. Hinzu gesellt sich ein strukturelles Problem, mit dem auch viele andere deutsche Innenstädte zu kämpfen haben: Ladenleerstände. Mehr und mehr verwaiste Verkaufsflächen sind ein bitterer Beleg dieser Entwicklung.

Aktuelle Situation in der Maburger Oberstadt: Hier gibt es schon lange kein „Einkaufs Paradies“ mehr.

Erst durch einen Antrag der BfM und einstimmigen Beschluss im Parlament hat der Magistrat das Thema auf seine Agenda gesetzt. Wie soll es also weitergehen? Mögliche Antworten liefern Sabine Herz und Alena Röhrich. Die beiden Frauen leben zwar nicht in Marburg, kennen sich jedoch bestens aus. Denn die Marburger Ober- stadt ist quasi ihr Job. Herz und Röhrich arbeiten für das Stadtplanungs-Büro FIRU, das von der Stadt Marburg im Jahr 2019 damit beauftragt wurde, ein Zukunftskonzept für die Ober- stadt zu entwickeln. Seither ist viel geschehen: Marburg-Kundigen dürfte das rote Sofa in Erinnerung geblieben sein. Passanten teilten auf der Sitzgelegenheit spontan ihre Ansichten zur Oberstadt mit.

Bauen! Aber wo?
In den nächsten Jahrzehnten wird das ­Universitätsklinikum auf den Lahnbergen kräftig expandieren. Das Gebiet ist bereits komplett erschlossen, was Strom, ­Wasser und Abwasser betrifft. Zudem ­pendeln jeden Tag tausende Menschen auf die Lahnberge. Wäre es da nicht sinnvoll, wenn die ­Menschen nahe ihrer Arbeitsstelle oder des Studienortes wohnen könnten? Die BfM ­setzen sich für eine Stadt der kurzen Wege ein. Deshalb stellt sich die Frage, ob ­Wohnen auf den Lahnbergen nicht möglich sein muss? Zwischen Hansenhaus und dem Klinikum ist noch Platz.

Mit Hilfe eines Umfragebogens, der an etwa 4.000 Anwohner ging, ermittelte dasBüroeinStimmungsbild.„Wirhabenmehrals700 Rückmeldungen bekommen, was ziemlich gut ist“, sagt Alena Röhrich. FIRU hat zudem weitere Befra- gungen mit Hausbesitzern und Gewerbetreiben- den sowie zielgruppenspezifische Untersuchungen angefertig. „Bevor etwas konkret angegangen werden kann, muss die Gesamtsituation genau analysiert werden“, erklärt Sabine Herz. Die Projektleiterin erinnert in diesem Zusammenhang an einen wichtigen Termin. Am 23. August fand die Perspektiven-Werkstatt in der Marburger Stadthalle statt. Diese ganztägige Veranstaltung, die sich mit verschiedenen Ideen für eine Wiederbelebung der Oberstadt auseinandersetzte. Weitere Informationen hierzu finden Sie direkt unter diesem Link: bit.ly/3aYr8cW.

Ein Lichtblick: Manche Leerstände bekommen doch wieder neue Pächter.

Gute Nachrichten gab es zum Endes des Jahres 2019: Die Marburger Oberstadt ist im Dezember in das Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren“ (ehemals „Aktive Kernbereiche“) von Bund und Land aufgenommen worden. Teil des Förderprogramms zu sein, freut auch die Vertreterinnen von FIRU, denn dadurch können nun gemeinsame Ziele für die Oberstadt formuliert werden.

Klar ist auch Herz und Röhrich, dass in der Ober- stadt viele verschiedene Interessen aufeinander treffen. Eine Lösung, besonders für die Ladenleer- stände, kann hier jedoch nur gemeinsam gefunden werden.